ener|gate messenger: Sirmasac: "Der Kundenzugang ändert sich fundamental"


FÜNF FRAGEN AN YÜKSEL SIRMASAC, ROCKETHOME GMBH

Sirmasac: "Die Vernetzung des Hauses wird den Breitenmarkt erobern"

Olten/Köln (energate) - Im Interview mit energate äussert sich Yüksel Sirmasac, Gründer des Smart-Home- Anbieters Rockethome, über die Entwicklung im Markt für intelligente Haustechnik - auch in der Schweiz.

energate: Herr Sirmasac, wie schlägt sich der Trend der Digitalisierung auf die Entwicklung des Smart-Home-Marktes nieder?

Sirmasac: Smart Home ist eine der wesentlichen Infra¬strukturen für Energieversorger in der Zukunft. Viele Versor¬ger haben noch nicht erkannt, dass sich der Marktzugang zum Haus und damit zum Kunden fundamental ändert. Die klassische Energielieferung verliert an Relevanz. Das Dienst-leistungsgeschäft mit Smart-Home-Systemen zur Steuerung der Energieflüsse gewinnt massiv an Bedeutung.

energate: Welchen Stellenwert hat die Interoperabilität der einzelnen Systeme für den Markt?

Sirmasac: Der Kunde wünscht sich eine Interoperabilität der unterschiedlichen Geräte im Haus - wie auch einen Anbie¬ter, der ihm diese Welt aus einer Hand zuverlässig anbietet. Hinsichtlich der Interoperabilität braucht die Branche noch Zeit, um hier verlässliche Standards zu schaffen. Und ich glaube nicht, dass diese Standards aus dem Silicon Valley kommen werden. Die Technologien aus Europa sind hier aktu¬ell vielversprechender - auch in puncto Sicherheit.

energate: In Deutschland steht der Smart-Meter-Rollout an. Erhoffen Sie sich davon einen Impuls?

Sirmasac: Es ist begrüssenswert, dass wir seit letztem Jahr Planungssicherheit bei der Einführung von intelligenten Mess¬systemen in Deutschland haben. Die Erfassung und Optimie¬rung des Stromverbrauchs und der Produktion ist eines der wesentlichen Komponenten für das Energiemanagement im Smart Home. Es macht Spass zu sehen, wie Smart Meter für den Stromverbrauch beispielsweise mit Haushaltsgeräten und Solaranlagen interagieren. Viele Konsumenten kennen diese neuen Möglichkeiten noch nicht. Hier müssen wir was tun.

energate: Welche Zielgruppen spricht Smart Home in erster Linie an?

Sirmasac: Die Vernetzung des Hauses wird sicherlich den Breitenmarkt erobern. Alle Studien stellen das ganz klar heraus. Die Preise für Smart-Home-Angebote sind jedoch definitiv noch nicht auf dem Niveau für einen Massenmarkt. Hier muss die Branche ebenfalls etwas tun. In der Zwischen¬zeit sollten die Energieversorger ihre Zielgruppen langfristig für diese Themengebiete aufbauen. Das ist eine Aufgabe, die nicht leichtgläubig an Google oder Apple abgegeben werden sollte. Die Chance ist gegeben, dass sich die Energiewirtschaft durch das Vertrauensverhältnis zum User und Service vor Ort durchsetzen kann.

energate: Wie schätzen Sie den Schweizer Markt ein?

Sirmasac: Die Schweiz ist ein Land der Entdecker und In¬novatoren. Dieses Selbstverständnis ist überall zu spüren. Die Einführung von Smart Home hat viel mit einem ausgeprägtem Innovationsverständnis zu tun. Daher passt das prima zusam¬men. In der Schweiz haben wir mit Energie 360 Grad eine langfristige Partnerschaft geschlossen. Unser gemeinsames Ziel ist es, neue Ansätze im Smart Home zu entwickeln. Die Zusammenarbeit ist bewusst offen gestaltet und ermöglicht anderen Unternehmen aus der Energiewirtschaft die Teilnahme an dieser Allianz./rb

ener|gate sprach mit Yüksel Sirmasac im Vorfeld des Kongresses "Worldwebforum", der am 24. Januar in Zürich startet, an dem Sirmasac auch referiert.

© ener|gate GmbH 23.01.2017